Clemens August Kardinal von Galen
Kardinal von Galen, der Stifter St. Clemens-Kirche, wurde am 9. Oktober 2005 von Papst Benedikt XVI. selig gesprochen und gehörte als "Löwe von Münster" zu den führenden Figuren des christlichen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus.
Clemens August Graf von Galen wurde am 16. März 1878 auf
der Burg Dinklage in Oldenburg als Spross eines alten westfälischen
Adelsgeschlechts geboren. Als 11. von 13 Kindern wuchs er in der
Geborgenheit einer gläubigen Familie auf. Nach Studien der
Philosophie, Geschichte und Literatur in Freiburg (Schweiz) trat er
1899 in das Jesuiten-Konvikt Canisianum in Innsbruck und wurde nach
weiteren Studien in Münster am 28. Mai 1904 in Münster zum Priester
geweiht.
Nach einer kurzen Tätigkeit als Domvikar und
als Kaplan seines Onkels Maximilian Gereon Graf von Galen, des Weihbischofs von
Münster, arbeitete er seit 1906 als Kaplan in der Kirche St.
Matthias am Winterfeldtplatz und Präses des Gesellenvereins in
Berlin. Ein Jahr später, im Jahre 1907,
führt von Galen bereits Grundstücks-Verhandlungen für
ein neues Gesellenhaus und erwirbt ein Grundstück am Anhalter
Bahnhof, das Gelände der heutigen St. Clemens-Kirche. Er lässt sich
sein Erbteil auszahlen, um 45.000 Goldmark für den Bau eines
Gesellenhauses mit Wohnraum für 200-400 Menschen zur Verfügung
stellen zu können. Den Rest seines Erbteils stiftet er für den Bau
kirchlicher Gebäude seiner Pfarrei. Die dem heiligen Clemens-Maria
Hofbauer geweihte Kirche St. Clemens wird nahezu komplett
von ihm finanziert. 1911 wird von Galen der erste Seelsorger
von ihm gestifteten St. Clemens-Kirche. Nach einigen Jahren
als Curatus an St. Clemens wurde er 1919 Pfarrer von St. Matthias in
Berlin-Schöneberg. Er erlebte die schwere Zeit des 1. Weltkrieges, die
Wirren der Nachkriegszeit und einen großen Teil der Weimarer Zeit.
Die Diasporasituation in der Großstadt Berlin stellte ihn vor große
pastorale Anforderungen. Mit reichen Erfahrungen einer
säkularisierten Gesellschaft und der Berliner Diaspora kehrte er
1929 nach Münster zurück und übernahm als Pfarrer die Seelsorge
an der Stadt- und Marktkirche St. Lamberti in Münster.
Nach dem Tod von Bischof Johannes Poggenburg wurde
Clemens August Graf von Galen zum Bischof von Münster ernannt. Am
28. Oktober 1933 empfing er die Bischofsweihe. Er wählte als
Wahlspruch das Wort Nec laudibus, nex timore (Nicht durch Lob noch
durch Drohungen weiche ich von Gotteswegen ab).
Bischof Clemens August von Galen gehörte zu den Bischöfen, die Papst Pius XI. im Januar 1937 nach Rom einlud, um mit ihnen über die Situation in Deutschland zu sprechen und das Weltrundschreiben mit „brennender Sorge“ vorzubereiten, indem er das Nationalsozialistische Regime vor der Weltöffentlichkeit anklagte. Zum „Löwen von Münster“ wird er im Juli und August 1941, als er in drei berühmt gewordenen Predigten deutlich Stellung gegen den Mord an Behinderten im Dritten Reich bezieht. Darin wandte er sich gegen die Übergriffe des Staates und forderte Recht auf Leben, auf Unverletzlichkeit und auf Freiheit seiner Bürger. Er geißelte scharf die Tötung des so genannten "lebensunwerten Lebens“.

Für die Nazis wird von Galen zur Gefahr. Durch seinen Druck stellen
sie ihr Euthanasieprogramm zeitweilig ein. Überlegungen, den Bischof
zur Warnung anderer öffentlich zu hängen, hat Goebbels beendet. Der
Reichspropagandaminister wollte sich die Abrechnung mit von Galen
für die Zeit nach einem Endsieg aufheben. Während des Krieges könne
das Dritte Reich keinen katholischen Märtyrer gebrauchen.
Die Staatsmacht fühlte sich ins Mark getroffen und wollte Bischof
Clemens August festnehmen und töten lassen. Doch wurde andererseits
befürchtet, dass dann die katholische Bevölkerung für die Dauer des
Krieges abgeschrieben werden könne. Es bedrückte den Bischof tief,
dass an seiner statt 24 Weltpriester und 18 Ordensgeistliche aus der
Diözese Münster ins Konzentrationslager gebracht wurden und 10 von
ihnen ums Leben kamen.
Am 18. Februar 1946 wurde Bischof Clemens August durch Papst Pius XII.
in das Kardinalskollegium berufen. Es war eine Ehrung für seine
unerschrockene Haltung in der Zeit des Nationalsozialismus. Im
überfüllten Petersdom jubelte man ihm, dem „Löwen von Münster“, zu als
er aus der Hand des Papstes die Kardinalswürde entgegennahm. Am 16.
März 1946 wurde Kardinal von Galen bei seiner Rückkehr nach Münster
von einer großen Volksmenge begeistert empfangen. Vor den Trümmern
des zerstörten Domes hielt er seine letzte Ansprache. Am Tag darauf
erkrankte er und starb am 22. März 1946.
Seine letzte Ruhe fand er in
der Ludgeruskapelle des zerstörten Domes.
Kardinal von Galen kann uns auch heute noch ein Vorbild sein und ist
insbesondere im Münsterland aber auch in Berlin unvergessen. Um mit
den Worten Papst Johannes Pauls II. zu sprechen: "Kardinal von Galen
hat selbst unerschrocken das Wort Gottes verkündet. Zugleich aber
hat er auch gelebt, was er verkündete." Und Papst Benedikt XVI. ruft
uns auf: "Genau dies ist die stets aktuelle Botschaft des Seligen von
Galen: Der Glaube beschränkt sich nicht auf ein privates Empfinden,
das man gegebenenfalls verheimlicht, wenn es unbequem wird, sondern
er erfordert Konsequenz und Zeugnis auch in der Öffentlichkeit
zugunsten des Menschen, der Gerechtigkeit und der Wahrheit."
Weiterführende Links:
Biographie Kardinals von Galen (Vatikan)
Biographie von Galens auf der Seite der Gedenkstätte Yad Vashem
Predigt Papst Johannes Pauls II. auf dem Domplatz in Münster 1987
Predigt Papst Benedikt XVI. auf dem Petersplatz zum Angelus am 9. 10. 2005
Predigt Kardinal Martins im Petersdom zur Seligsprechung Kardinals von Galen am 9. 10. 2005
Bildnachweise:
Abb Oben: Mit freundlicher Genehmigung des Aschendorff
Verlags
Abb. Mitte: Privatarchiv Johanna Gräfin von Westphalen
Abb. Unten: Die Abbildung entstammt der Bildersammlung des Bistumsarchivs Münster, der Urheber ist Gustav
Albers
